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Kritiken

Goldberg-Variationen

FAZ 31.10.2001

Verbeugung vor dem Original

Barockensemble bearbeitet Bachs „Goldberg-Variationen"

Eine stilgerechte, sehr inspirierte und für jede Beschäftigung mit dem Werk gewinnbringende Instrumentation: Bachs Aria mit verschiedenen Veraenderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen" erklang in der Bearbeitung und Interpretation des Barockensembles "Parnassi musici" bei den 14. Wiesbadener Bachwochen in der Schiersteiner Christophoruskirche äußerst farbenreich, in der Polyphonie gut durchhörbar und stimmig in den Proportionen. Die nach Transkriptionen von Dmitry Sitkovetsky und Bernard Labadie dritte Bearbeitung der „Goldberg-Variationen" in dieser Art orientierte sich dabei „weniger an der punktgenauen Übertragung der Vorlage als an einer barocken kammermusikalischen Realisierung", wie es in einem Programmbuch-Beitrag hieß, So wurde den spieltechnischen Eigenheiten der Instrumente auch von der Stimmführung her Rechnung getragen.

Gleichwohl oder vielleicht gerade deshalb erschien diese Version so werkdienlich, respektvoll und geistreich. Der originale Notentext ließ sich mit Leichtigkeit mitverfolgen, zumal er ja so schlüssig analysiert wurde. Das auf historischen Instrumenten spielende Oktett um den an Orgel-Positiv und Cembalo zu hörenden Martin Lutz, dem Künstlerischen Leiter des bis zum 17. November dauernden Festivals der Wiesbadener Bach-Gesellschaft, phrasierte zudem sehr klar und traf in ständig wechselnden Besetzungen die verschiedenen Charaktere der einzelnen Variationen genau.                                                               

GUIDO HOLZE


Wiesbadener Tagblatt  30.10.2001

Voll neuer Reize

Acht der 30 Variationen übernahmen ohne Continuo-Begleitung die Violinisten Margaret MacDuffie und Matthias Fischer. Dieser schlanken Duett-Besetzung fielen sinnvollerweise die schnellsten, überwiegend zweistimmigen Sätze zu. Trotz zügiger Tempi wurde dabei nie auf einen vordergründig virtuosen Effekt gesetzt. Im Gegenteil: Das Duo spielte insgesamt leise mit vielen kleinen dynamischen Abstufungen in eher gedecktem Ton, mitunter in spannungsreicher "Mezza voce"-Art. Delikat war die mit den Geigen erstaunlich mühelos zu realisierehde Trillervariation 28.

Besonders barock hörten sich die als Triosonaten besetzten Variationen an. Aber auch die Quartett-Sätze etwa mit der Viola (Wolfgang Wahl) als Mittelstimme klangen authentisch, Takashi Ogawa kam mit der Traversflöte sparsam, aber wirkungsvoll zum Einsatz- Die Variation 13 wurde so in der aparten Begleitung von Gambe (France Beaudry), Cello (Stephan Schrader) und Laute zu einer herrlichen Arie.

Die von Hubert Hoffmann gespielte Laute kam als kräftig akkordisch geschlagenes Continuoinstrument, aber auch obligat gezupft hervorragend zur Geltung. Letzteres am eindrucksvollsten und intimsten in der immer wieder frappierenden Variation 25. Wie eine abschließende Verbeugung der Bearbeiter vor der Genialität des Originals wirkte der Schlug: Die "Aria da capo" spielte Martin Lutz allein am Cembalo.


Goldberg -Variationen in Bearbeitung

mir.-Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen stellen einen ganzen Kosmos verschiedener Kompositionsstile und -gattungen dar-und beziehen sich trotz aller Vielfalt doch auf das gleiche Bassthema. Das Original ist für ein zweimanualiges Cembalo geschrieben, hier beeindruckt die Reduktion auf das absolut Notwendige bei größter Komplexität. Alles andere soll sich der Zuhörer dazu denken So liegen zwar auch dem zweistimmigen Stücken Harmonien zugrunde, doch braucht es nicht den vollen Satz, um diese wahrzunehmen.

Dieser Reiz der Reduktion, der Auslotung dessen, was ein einziger Spieler technisch gerade noch hinzubekommen vermag, ging in der Bearbeitung für insgesamt achtköpfiges Ensemble natürlich verloren. Doch dafür gewann die Umsetzung durch das Spezialensemble "Parnassi musici", die im Rahmen der Wiesbadener Bachwochen nun in der Christophoruskirche vorgestellt wurde, andere Reize. Da ist natürlich zuerst die Klangfarbe. Natürlich können 80 Minuten Cembalo-Solo ziemlich ermüden und nach der anekdotenhaften Überlieferung war genau dies auch erwünscht.

Dagegen spielen hier zehn verschiedene Instrumente: Violinen, Viola, Gambe, Cello und Kontrabass, Flöte, Laute, Cembalo und Orgel. So klangen einige Duos mit zwei Violinen ganz apart, großartig gelang die Ouvertüre (Nr. 16) mit ihrem vollen Ensembleklang. Manche Variationen werden allerdings durch die Instrumentierung auch undeutlicher, vor allem, wenn die Laute mit ihrer ungewohnten Klangfarbe hinzutrat, deren Arpeggios die Musik nervöser machten. Doch schließlich ging es nicht um eine Verdeutlichung der Komposition sondern um eine kammermusikalische Übersetzung, die zur Zeit Bachs prinzipiell gang und gäbe war. Diese Umsetzung gelang den Musikern hervorragend auch dank der grandiosen Beherrschung ihrer Instrumente.


Wiesbadener Kurier 30.10.2001

Schlaflos in Schierstein

Bachwochen: Goldberg-Variationen

Von Kurier-Mitarbeiter Friedhelm Eschenauer

Das Bearbeiten und Umformen eigener und fremder Werke gehörte für Johann Sebastian Bach zum Handwerk. Von daher scheint die bearbeitende Auseinandersetzung mit dem Werk des Thomaskantors durchaus legitim. Vor allem die Zyklen des Spätwerks boten hier ein reiches Betätigungsfeld öffneten freilich auch nicht selten interpretatorischer Willkür Tür und Tor.

Nichts davon in der Bearbeitung der so genannten „Goldberg-Variationen" durch das Barockensemble "Parnassi Musici", der man nun um Rahmen der Wiesbadener Bach-Wochen in der Schiersteiner Christophorus-Kirche begegnete. Mit viel stilistischer Sensibilität gelang es den acht Musikern um Martin Lutz, die Essenz dieses gewaltigen Variationswerkes aufzuzeigen, wobei die Beschränkung auf das Instrumentarium der Bachzeit und die Stringent der Darstellung sich auf packende Weise ergänzten. Ungemein farbenreich wurden die einzelnen „Veränderungen" dargeboten, stand die jeweils gewählte Klanggestalt zwischen Traversflöte, Streichern, Laute, Cembalo und Truhenorgel im Dienst der wechselnden Affekte. Wesentlich erleichtert wurde das Verfolgen der einzelnen Stimmen bis hinein in das polyphone Geflecht des Quodlibets mit seinen volksliedhaften Zitaten. Es klang auf behutsame Art auch der lehrhafte Aspekt dieses Werkes an, das sein Entstehung angeblich der Schlaflosigkeit des Grafen Kayserlingk verdankt Angesichts der interpretatorischen Annäherung durch das Ensemble Parnassi Musici" aber war nicht an Schlaf zu denken. In hinreißendem Schwung wurden die virtuosen Elemente etwa der letzten Variationen realisiert, erhielt die 25. Veränderung durch Violine, Gambe und mit Cello und Laute besetztem Contìnuo Tiefenschärfe und Dynamik, wie sie in der Originalbesetzung eines Cembalos nicht erzielt werden kann. Dies alles technisch auf hohem Niveau, nahezu nahtlos verbunden durch einen beibehaltenen Grundschlag. Bis ins Detail ging man harmonischen Besonderheiten nach, legte Kanon-Strukturen offen, gelang den Violinen (Margaret MacDuffie, Matthias Fischer) in den zweistimmigen Bearbeitungen ein Piano von atemberaubender Schwerelosigkeit.

Perfekt das Zusammenspiel mit Wolfgang Wahl, Viola, France Beaudry, Gambe, Stephan Schrader, Cello, Hubert Hoffmann, Laute, und Martin Lutz an Cembalo und Orgel. Lediglich der Traversflöte von Takashi Ogawa hätte man verschiedentlich mehr Durchsetzungsvermögen gewünscht. Eine in jeder Hinsicht gelungene Interpretation, die das Publikum in der Christophoruskirche begeistert feierte.


Frankfurter Rundschau 30.10 .2001

Barocke Vitalität: In Wiesbaden haben die 14. Bachwochen begonnen

Von Tim Gorbauch

Zeit und Ewigkeit, das sind große Worte. In Wiesbaden dienen sie als Motto der 14. Bachwochen, die an diesem Wochenende in der Schiersteiner Christophoruskirche eröffnet wurden. Und da geht es um vieles, um das barocke Bewusstsein der Vergänglichkeit, um die Erfahrung des Todes und die Alltäglichkeit des Sterbens und manchmal auch nur um wunderbare Musik. Die Goldberg-Variationen zum Beispiel, ein zwar von Legenden umranktes, aber doch zeitphilosophisch eher unbelastetes Werk, stehen auf dem Programm des zweiten Konzertabends der von Martin Lutz künstlerisch geleiteten Bachwochen, aber nicht in der üblichen Verpackung für Klavier oder Cembalo, sondern in einer Bearbeitung für ein achtköpfiges Barockensemble. Und die kommt vergleichsweise unanalytisch, aber sehr musikantisch daher weniger mit dem Hintergrund, die inneren Strukturen neu zu durchleuchten, dafür aber mit großem Gespür für den musikalischen Fluss und barocke Vitalität. Von Anbeginn wird diese Haltung offenbar. Die (von Glenn Gould im übrigen dem Zeitenfluss enthobene und der Ewigkeit überantwortete) Aria erscheint zwar zerdehnt, rhythmisch sogar gefährlich faserig, aber dafür voller Atem und stetig in Bewegung. Auch die Besetzungen wechseln beständig, mal bestimmen zwei Violinen allein das musikalische Geschehen, mal kommt eine ausgedehnte Basso continuo-Gruppe hinzu an anderen Stellen ist die Traversflöte Melodieträger und mithin weitet sich der Klang auch ins Üppig-Orchestrale. Nur gleichförmig klingt es nie. So geraten die Goldberg-Variationen unter den Händen der auf Originalinstrumenten agierenden Parnassi musici zu einem faszinierenden Organismus, blühend, farbig-schillernd und voller Leben, durchsichtig und hoch musikalisch. Und weil sich auch das Rhythmische in den 30 Variationen sichert und die Musik in ihrer fast totalitären Vielfalt und enormen Lebendigkeit beim Wort genommen wird, gibt es nicht mehr viel zu beklagen an diesem Abend in Wiesbaden. Zeit und Ewigkeit, das ist klar, sind damit aber kaum erschöpfend behandelt. Gustav Leonhardt, der große, alte Mann des Cembalos, wird noch etwas dazu beitragen und am 5. November in der Christophoruskirche zu Bach hinführen, für die Philosophen unter uns (und für alle anderen natürlich auch) wird am 11. November Messiaens Quartett auf das Ende der Zeit im Foyer des Staatstheaters zu hören sein und zum Abschluss ertönt am 17. November Joseph Joachim Raffs apokalyptische Visionen vom Welt-Ende - Gericht Neue Welt in der Marktkirche. Wenn das mal kein Finale furioso ist.


KLASSIK - SCHWÄBISCH HALL

Ralf Snurawa

Ensemble "Parnassi musici" bot die „Goldberg -Variationen“ von Johann Sebastian Bach in der Auferstehungskirche

Aspekte einer durchdachten Interpretation

Abwechslungsreiche und packende Wiedergabe / Klangliche Vielfalt

Die Wiedergabe der Bachsehen so genannten Goldberg-Variationen in der Bearbeitung durch „Parnassi musici" und ausgeführt durch dieses Ensemble in der Auferstehungskirche im Diakonie-Krankenhaus in Schwäbisch Hall geriet mit Blick auf die Dynamik und die Instrumentenkombinationen ungemein abwechslungsreich und packend.

Das auf die Aufführung barocker Musik spezialisierte Ensemble legte dabei eine auf Dreiergruppierungen hin kónzipierte Interpretation vor, die sich an den einzelnen Kanons und dem Quodlibet als Gliederungsprinzip orientierte. Das ist insofern von Interesse, da in jüngster Zeit auch andere Gestaltungsprinzipien auftauchten, die die 32 Takte der Eingangs-Aria als Vorlage für den Gesamtzyklus annahmen. Demgemäß müsste die Variationenanlage -die Aria zu Beginn und am Schluss einbezogen-in Achtergruppen eingeteilt werden.

Beiden Konzeptionen ist die Zäsur nach der 15. Variation und vor der 16.,bezeichnenderweise eine Ouvertüre, gemein. Das Ensemble "Parnassi musici" untermauerte diese Zäsur nicht nur durch eine kurze Konzertpause, sondern auch durch Hervorheben der Ouvertürenelemente: So erinnerte die gezackt-akzentuierte Spielweise sehr stark an den französischen Ouvertürenstil der Zeit Johann Sebastian Bachs. Im schnelleren zweiten Teil wurden-wie auch sonst in polyphonen Abschnitten- die Einsätze sehr gut herausgearbeitet.

Die Gliederung in Dreiergruppierungen erfuhr eine verstärkte Betonung durch die Instrumentation. Zu Beginn einer solchen Gruppe waren  meist mehrere Musiker bis hin zum Tutti zu hören, wodurch eine abwechslungsreiche klangliche Vielfalt erreicht wurde, die die Musiker des Ensembles durch die Betonung eines klaren Klangbildes, in dem die einzelnen Instrumente sehr gut herauszuhören waren, noch verstärkten.

Kontraste durch extreme Gegenüberstellung

An zweiter Stelle folgten Duos der beiden Violinen. Sie waren in der Regel sehr virtuos angelegt und wurden von Margaret MacDuffie und Matthias Fischer voller Esprit ausgeführt. Die wunderbar logische Gliederung mit beiden Violinen an zweiter Stelle einer Dreiergruppierung erfuhr allerdings ab der 25. Variation eine Veränderung von finaler Ausrichtung, sodass die beiden Violinen sozusagen als Ruhepunkt vor den rasant-rauschenden Schlussklängen fungierten: himmlische Triller, Beethovens op. 111 antizipierend, mit Anklängen an Natur- und Tierlaute und durch die Ausführung mit Dämpfern von entrückter Wirkung.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Interpretation des Ensembles „Parnassi musici" war das Ausarbeiten von Kontrasten. Man kann sich kaum eine extremere Gegenüberstellung vorstellen, als die von Variation 25 und 26. Variation 25 wurde vom Ensemble sehr intim und zurückgenommen instrumentiert. Klare und filigrane Linien von außerordentlicher Expressivität bevorzugten Margaret MacDuffie und Lautenist Hubert Hoffmann, ehe France Beaudry, Gambe, und Stephan Schrader, Violoncello, hinzutraten.

Dieser Variation folgte die Tutti-Besetzung mit rauschhaft-schnellen Klangeruptionen, die nur noch durch die beiden Duette -Violine und Viola in Variation 27 und das schon erwähnte der beiden Violinen-unterbrochen wurden und schließlich in der noch einmal aufgegriffenen Aria mündeten, die von Helene Lerch auf dem Instrument gespielt wurde, für das dieser Variationszyklus geschrieben worden war: das Cembalo.



Die Lust an der Wiederholung

Sich anziehende Gegensätze
Parnassi Musici und der Tubist Burger: eine Allianz, die Musik spannend werden ließ


Das Konzert der Parnassi Musici und der Tubist Klaus Burger beschlossen die „Kontraste“-Reihe und machten dem Namen der Reihe alle Ehre. Die ausgespielten Gegensätze waren so groß, dass sie sich am Ende wieder berührten und so einen gelungen Kreis schlossen.
OFFENBURG. Zwei Violinen, Violoncello und Cembalo, alles Barockinstrumente und auch nach der damaligen Art gespielt, bildeten mit Barockmusik einen Pol; Klaus Burger mit Tuba, Cimbasso (Bassposaune mit Ventilen), Muschelhorn und dem australischen „Urinstrument“ Didgeridoo mit seinen Improvisationen den anderen. Bedauerlicherweise stieß dieses Konzert auf wenig Resonanz: 20 Zuhörer. Die Qualität der Musik, das Programm und alleine der Tubist hätten mehr Beachtung verdient.

Pulsschlag
Der Untertitel der Veranstaltung, „Die Lust an der Wiederholung“, unterstrich auf vielfältige Weise, wie interessant die Barockkomponisten Wiederholungen gestalteten. Ihre Musik schufen sie zum Beispiel um einen zunächst monoton wirkenden Basso-Continuo, der schileßlich zum Herzschlag des Stückes wird. Auch die Titel, wie Passacalle oder Ciacona, verriten zunächst nichts aufregendes, erst als sie vorgestellt wirden, wirde aus gleichklang spannende Musik.
Wenn das Cello Stephan Schraders die vier Töne des Basso-Continuo von  Dietrich Beckers (1632-1679) „Sonate A-Dur“ leise anspielte, sie immer intensiver wie einen Pulsschlag wiederholte, über dem sich dann die beiden Geigen und das Cembalo fanden, erkannten die Zuhörer den Sinn, dazu einerseits die tiefe Ruhe und andererseits die weite Spannung, die im unendlichen Bogen der Barockmusik liegt.
Klaus Burger nahm mit seiner Tuba nahtlos den Continuo auf, schuf aus der Wiederholung Variationen, die die vorherigen Aussagen unterstrichen oder neu definierten. Was Klaus Burger, einer der besten Tubisten Europas, auf seinem Instrument zeigte, war einmalig.

Spannung
Es war nicht nur die Anblastechnik, die überraschte. Er blies und atmete gleichzeitig oder spielte die Töne durch Ansaugen der Luft, also rücktwärts. So wurden viele seiner Melodiebogen nie unterbrochen und zu „unendlichen Geschichten“.
Die ständige Übergabe von Musikbausteinen des Barockensembles zu Burger mit der Tuba, dem Didgeridoo, dem Muschelhorn oder dem Cimbasso, und der Rückfluss eines bei ihm neu entstandenem Continuo aus diesen tiefen Instrumenten an die Streicher und das Cembalo, ließen Musik ohne Unterbrechung entstehen. Die beiden dadurch entstandenen Musikblöcke mit Falconiero, Cazzati, Becker und Schmelzer sowie Händel, Matteis, Muffat und Vivaldi, immer wieder mit Passadallien oder Ciaconas, waren einfach spannend. Die wenigen Zuhörer wurden belohnt und erlebten eine neue-alte Definiton von Musik.
Hans Kasper, Offenburger Tageblatt, 14. 05. 02


Kontrastreiche Klangwelten

Klaus Burger und Parnassi Musici begeistern bei den Wernecker Schlosskonzerten

WERNECK. Was ist ein Didgeridoo, wie spielt man auf einer Muschel und wie lassen sich diese exotischen Instrumente mit barocker Kammermusik kombinieren? Für den Performance-Künstler Klaus Burger und „Parnassi musici“ war das bei den Wernecker Schlosskonzerten kein Problem.

Das Motto des äußerst interessanten, anregenden und mit Humor gespickten Programms bei den Wernecker Schlosskonzerten in der Schlosskirche lautete „Die Lust an der Wiederholung“. Gemeinsam ist das Spiel auf Originalinstrumenten. Wobei Margaret MacDuffie, Matthias Fischer (beide Barockvioline), Stephan Schrader (Barockcello) und Helene Lerch (Cembalo) den traditionellen Part übernahmen.

Voller Temperament und Spannung ließen sie strenge barocke Formen wie Chaconne, Passacaglia und Folia wirkungsvoll zur Geltung kommen. Dabei achtete man sehr aufs Detail, man artikulierte differenziert und konsequent, gab auch dem kleinsten Motiv Format.

Trotzdem blieb der große musikalische Zusammenhang erhalten. Auch, weil die vier Musiker gut aufeinander eingespielt waren und sich bei stets homogenem warmem Gesamtklang die Impulse gegenseitig zuwarfen. Genauso voller Lebensfreude, wie die Komponisten Georg Friedrich Händel, Girolamo Frescobaldi oder Antonio Vivaldi es kannten.

Ganz andere Klänge brachte Klaus Burger in den Abend. Nahtlos verband er die barocken Werke mit eigenen Improvisationen auf seinem Original- und Naturinstrumenten, indem er Rhythmen, Tonfolgen oder Spannungsabläufe aufgriff und weiterführte.

Faszinierend, wie der erstklassige Bläser in das verzierte Rohr des australischen Didgeridoo blies, dabei auf dem zunächst zaghaft rauhen Ton Akzente immer dichter ineinander verlagerte und zu raumfüllenden Klängen aufschaukelte. Oder welch breite Palette an Tönen er aus der Muschel zauberte und mit gezielt eingesetzten Anblasgeräuschen kombinierte. Fabelhaft auch, wie versiert er mit seiner Tuba umging und dem Mix aus Rhythmen und Melodieteilen in hoher Tonlage mit seiner Stimme eine zweite Melodie unterlegte.

Dabei imponierte seine spontane, souveräne und humorvolle Art zu Musizieren. Mit ein Höhepunkt dürften seine Metamorphosen für Cimbasso und Schlauftubasystem „in und um und um ein umzechtes Thema herum“ gewesen sein. Eine kreative Präparierung seiner Instrumente ermöglichte ihm Klangdimensionen von schnarrend verhaltenen Tönen bis hin zu übermütiger Biergartenmusik – mit abrupten Übergang zum nun so fernen Barock. Für Überraschungen war er stets zu haben. Und das Publikum auch. Begeisterter Applaus.

             Heike Aengenheyster-Blum, Schweinfurter Tagblatt, Mo., 08. 07. 02


Improvisierend angedockt

Barockmusik begegnet zeitgenössischem Klangexperiment: Parnassi Musici und Klaus Burger

OFFENBURG. „Die Lust an der Wiederholung“ war das jüngste und gleich letzte „Kontraste“-Konzert dieser Saison in Offenburgs Reithalle untertitelt. Zuvörderst indes wiederholte sich, was namentlich den Veranstaltern statt Lust viel Frust geschert haben dürfte: das erneut nur allzu kärgliche Publikumsinteresse an dieser Kammermusik-Reihe, deren Programme gleichwohl immer ausgesprochen interessant, klug und stimmig zusammengestellt sind und die in puncto Aufführungsqualität stets wenig gegeben, diesbezüglich vorort vielmehr Maßstäbe gesetzt hat.

Diesmal nun hätten die Zuhörer schier alle in der ersten Reihe Platz nehmen können, als das Originalklang-Ensemble „Parnassi Musici“ (mit Margaret MacDuffie und Matthias Fischer, Violinen; Stephan Schrader, Cello; Martin Lutz, Cembalo) und der Baden-Badener Tubist und Performance-Künstler Klaus Burger zu einem Meeting der musikalisch ganz ausgefallenen Art auf der Reithallenbühne zusammentrafen, um sich dergestalt auf einen überaus kontrast-, bisweilen auf überraschend beziehungsreichen konzertanten Schlagabtausch zwischen stilecht interpretiertem Barock und zeitgenössischem Klangexperiment einzulassen.


Lust an der Wiederholung

Hans Krüger ist bei 100. Mal „Musik in St. Michael“ seiner Lust am Experiment treugeblieben

WALDKIRCH. Das 100. Konzert aus der Reihe „Musik in St. Michael“ konnte als extreme Bündelung dessen erlebt werden, was die Reihe bisher auszeichnete: gediegenes konventionelles Musizieren auf hohem Niveau, Freude am Kontrast sowohl in den Zyklen wie in einzelnen Konzerten, Offenheit für Innovation und Experimente. Bei der programmatischen Planung ist der Organisator Jahre nicht der Versuchung erlegen, populäre Programme eher risikoreichen vorzuziehen. Die Bereitschaft, auch für Versuche im Bereich der Neuesten Musik und Klangspielereien eine Aufführungsmöglichkeit zu bieten, war Hans Krüger immer wichtiger als die Sicherheit der Besucherzahlen. Durch diese über Jahre konsequente Konzeption hat sich Hans Krüger Zuhörer „herangezogen“, die gerade diese Eigenschaft der Konzerte schätzen, mit offenen Ohren zuhören und wiederkommen.

[...] Das Prinzip, tragende motivische oder rhythmische Elemente verschiedener Barock-Kompositionen herauszugreifen, zu wiederholen oder in der Bass-Partie zu betonen (in der Vivaldi-Sonate) und damit so bewusst zu machen, dass sie durch das Stück hindurch präsent blieben, brachte eine Innovation im Hören, der sich wohl kaum ein Zuhörer entziehen konnte. Um so mehr, als das Ensemble „Parnassi  musici“ hinreißend schön musizierte. Margaret MacDuffie und Matthias Fischer (Violine), Stephan Schrader (Violoncello) und Martin Lutz (Cembalo) spielten auf Originalinstrumenten die Barockmusiken so ausdrucksstark und lebendig, dass die festliche Fröhlichkeit der Epoche greifbar wurde und die Atmosphäre bestimmte. Mit wenig Vibrato, ganz und gar transparent und in atemlosen Tempi gab das Ensemble den Stücken eine Lebendigkeit, an denen es vielen Barockinterpretationen mangelt. Dass die einzelnen Sätze durch einleitende oder ausklingende Fragmente ineinander glitten und dadurch auch Burgers Improvisationen erstaunlich bruchlos integrierten, war vielleicht das Faszinierendste an diesem Konzert. Ovationen im Stehen. Lust an der Wiederholung für weitere 100 Konzerte allemal.                                                

Hildegard Karig, BZ 30. 01. 02


Musik am Habsburger Hof

Wien  Die Presse 16. Juli 2001

Das Helle und das Dunkel

Der Barockzyklus des Klangbogens startete auf fulminante Weise zu seiner Reise an den Wiener Kaiserhof.

Die barocken Habsburger waren sich sehr wohl bewußt, daß musikalische Spektakel einer der wesentlichen Schlüssel zu hoher Reputation, zum Führungsanspruch in Europa waren - vor allem in Konkurrenz mit dem Pariser Hof. Doch nicht nur solche machtpolitischen Erwägungen förderten die Musikszene in der Donaumetropole, die Kaiser waren auch höchst musikalische Menschen, die wenig unversucht ließen, die besten Komponisten zu verpflichten.

Einen Querschnitt durch dieses farbenprächtige Jahrhundert nach 1650 will der Barockzyklus des heurigen Wiener Klangbogens geben, der am Samstag mit einem fulminanten Auftritt des Freiburger Ensembles Parnassi musici gestartet wurde. Mit viel Liebe zum Detail und mit dem gehörigen Feuer brachte das Streicherensemble rasante italienische Triosonaten von Antonio Bertali und Antonio Caldara, aber auch die spezifisch süddeutsche Tonwelt eines Johann Joseph Fux zum Klingen. Wahre Besgeisterungsstürme lösten die Sonaten von Johann Heinrich Schmelzer, dem ersten Deutschsprachigen, der die italienische Phalanx der Hofkapellmeister durchbrechen konnte, aus.

Einen besonderen Reiz der Parnassi musici machen die völlig unterschiedlichen Klangvorstellungen der beiden Violinen aus: Während Margaret MacDuffie einem hell strahlenden Klangideal frönt, gefällt sich Matthias Fischer in dunkeln Tönen - die erst die zahlreichen Verzierungen in ein stimmungsvolles Licht rücken. ku


Schweinfurter Tagblatt
Kultur
11. Juli 2001

Nur keine Langeweile

Musik am Habsburger Hof bei den Wernecker Schlosskonzerten

Werneck (HK) Höfische Unterhaltungsmusik vom Feinsten, lebhaft, leichtgängig und tänzerisch - so stellten "Parnassi musici", die Barocksolisten des Kammerorchesters Schloss Werneck, in der Schlosskirche "Musik am Habsburger Hof" vor. Eher unbekannte Namen wie Antonio Bertali, Johann Jakob Froberger, Johann Heinrich Schmelzer, Antonio Caldara und Johann Joseph Fux standen auf dem Programm.

Was man am Hof Maria Theresias offenbar hasste, war Langeweile. Das lässt sich aus der Struktur der Lamentos, Sonaten- und Tanzsätze schließen, die nicht immer von bohrender Tiefe sind, aber stets durchdacht und von musikalischer Formenvielfalt.

Werke also, die auch heute noch von den Interpreten neben Vituosität Mut und Fantasie fordern. Mit Margaret MacDuffie und Matthias Fischer (beide Violine), Matthias Müller-Mohr (Gambe und Violone), Stephan Schrader (Violoncello) und Helene Lerch (Cembalo) waren Kenner der historischen Spielpraxis am Werk. Ihr kultiviertes Spiel brachte Leben in diese Musik. Da war jede Phrase ausgestaltet, es wurde klanglich differenziert und genau artikuliert. Heraus kam ein sprechendes, transparentes Spiel aud historischen Instrumenten, die in ihrer warmen Klangfülle für einen homogenen und wandlungfähigen Gesamtklang sorgten.

Da staunte man nicht schlecht über den harmonischen Reichtum und die rhythmische Vielfalt auf kleinstem Raum. Plastisch setzten die fünf Musiker in unterschiedlichen Besetzungen diese Qualitäten ins rechte Licht. Mit geradem, kopfbetontem Bogenstrich und nahezu vibratolos. Schnelle Sätze wirkten temeramentvoll und klar akzetuiert, ruhigere Sätze kamen voller Intensität und mit Ausdruck rüber. So gab es nicht eine Minute Langeweile.

Das zeigt, wie souverän und kompetent die Musiker mit dieser Stilepoche umgehen. Maria Theresia hätte sicher in den heftigen Schlussapplaus eingestimmt.


Bachs Unvollendete in neuem Gewand
"Die Kunst der Fuge" erklang mit dem Barockensemble Parnassi musici unter Martin Lutz

Vom 03.11.2003
Von unserem

Mitarbeiter
Siegfried Kienzle
 
Zu den großen unvollendet gebliebenen Werken der Musikgeschichte, um die sich Legenden gebildet haben, gehört Johann Sebastian Bachs "Die Kunst der Fuge". Abrupt bricht die letzte Fuge nach 239 Takten ab. Beim Thema B-A-C-H, den Initialen seines Namens, hat der Tod dem Thomaskantor die Feder aus der Hand genommen.
So berichtet es sein Sohn Carl Philipp Emanuel. Da nicht feststeht, für welches Instrument die Folge von 18 Fugen geschrieben ist, werden sie nicht nur auf Cembalo und Orgel gespielt. Es gibt Bearbeitungen für Streichquartett, für zwei Klaviere, Kammerorchester und neuerdings sogar für Saxophonquartett.
Martin Lutz (Cembalo) mit dem Barockensemble Parnassi musici verändert beim Bachwochen-Konzert in der Christophoruskirche die Reihenfolge der Fugen. Er gliedert die Sammlung in sechs Dreierblöcke. So entstehen dreisätzige Werke, und durch unterschiedliche Instrumente hat jedes seine spezifische Klangfarbe. Die Ecksätze sind orchestral besetzt, der Mittelteil bringt mit zwei Streichersolisten die zarte lyrische Aufhellung.
Prächtig und pompös im Stil einer französischen Ouvertüre mit Flöte, Oboe und Fagott setzt der Abend mit der Fuge VI ein und findet gleich im Kanon BWV 1080/14 den intimen Kontrast, wenn Violine und Cello das Wechselspiel von Ober- und Unterstimme beginnen. Ein Abschnitt wird von den beiden Fagottisten angeführt und vom Klang eingedunkelt. Dagegen ist die Flöte Stimmführerin der beiden Fugen XI und I und so nähert sich der Klang den "Pariser Quartetten" eines Telemann an.
Virtuos gelingt es dem Ensemble, die Kontrapunktik in den Fugen IX und XIII in lebendige tänzerische Bewegung überzuführen. Da lassen die beiden Violinen den Kanon BWV 1080/18 schwirren wie ein Perpetuum mobile. Die Spiegelfuge XII, wo sich die Intervallfolge umkehrt, erhält durch den Wechsel in den Dreivierteltakt dramatischen Schwung. Die unvollendete Tripelfuge BWV 1080/19 bildete diesmal nicht den Schluss. Lutz wählt dafür die Fuge X, die Bläser und Streicher nochmals monumental zusammenführt.

Erregend aktuell und spannend
Bachwochen: Martin Lutz und das Ensemble "Parnassi musici"



Vom 03.11.2003
Von Kurier-Mitarbeiter
Friedhelm Eschenauer
Die verschiedensten Blickwinkel gibt es, sich Bachs nach wie vor rätselhafter "Kunst der Fuge" zu nähern. Einen packend musikantischen stellte nun Martin Lutz und das Ensemble "Parnassi musici" im Rahmen der Wiesbadener Bachwochen in der Christophoruskirche zur Diskussion, fast untertreibend gekennzeichnet als "Lesehilfe" dieser gemeinhin als schulbuchhaft angesehenen "Lese-Musik". Denn mit untrüglichem stilistischem Fingerspitzengefühl entstand da in gemeinsamer Arbeit des Ensembles eine Fassung, die einer Freilegung werkimmanenter Schichten gleichkam, erregend aktuell und spannend vom ersten bis zum letzten Contrapunct.
Vertraute Abfolgen galt es aufzugeben. Der üblicherweise eröffnende Contrapunctus I machte einer Fuge im französischen Stil Platz, die legendenumwobene, unvollendete Fuge mit ihrem Bach-Zitat büßte durch Umstellung Finalcharakter und Torsohaftigkeit ein. Doch was da auf den ersten Blick nach Willkür aussah, es folgte letztlich einer ungemein plausiblen musikalischen Gesichtspunkten der Bach-Zeit, changierend zwischen Bläsern und Streichen, neu ordnete. Durchhörbarkeit war angesagt, von den formidabel interpretierten zweistimmigen Kanons bis hin zur vertrackten Stimmführung der vollbesetzten Fugen, instrumentale Farbigkeit von der gemischten Besetzung im Stile von Telemanns Pariser Quartetten bis zum auf Beethoven verweisenden Streichquartett. Nicht zuletzt aber bedeutete die Fassung von "Parnassi musici" eine behutsam vorgehende Entmythologisierung, die Bachs Studierstube vergessen ließ, dem Werk zu prallem musikalischem Leben verhalf.
Eine "Kunst der Fuge" im Westentaschen-Format also? Mitnichten. Dagegen sprachen alleine schon die herausragenden musikalischen Leistungen von "Parnassi musici", längst zu den tragenden Säulen der Wiesbadener Bachwochen zählend, die sich an diesem Abend freilich selbst übertrafen. Von Anfang an bestimmte ein gespanntes, von innerem Pulsschlag getragenes Musizieren das Geschehen, verband die Einzelsätze zu grandioser Einheit, deren Sogkraft förmlich von den Bänken riss. Ein Höhepunkt dieser Bachwochen, getragen von Stilsicherheit, Ehrfurcht vor dem Werk, und elementarer Spielfreude. Der Klaus Uwe Ludwig geleiteten Orchesterfassung am kommenden Sonntag sieht man mit Spannung entgegen.


Bach-Werkstatt

Die Parnassi musici  im Freiburger Konzerthaus

Wach und lebendig

Glaubt man der (durchaus auch historisch fundierten) Behauptung, dass Kammermusik Basis und Essenz allen gemeinsamen Musizierens sei, dann folgt daraus auch notwendig eine zweite: dass nämlich Kammermusiker jedem Orchester fruchtbarer Grund und Humus sind. Man darf also unterstellen, dass ein Orchester, das kammermusikalische Aktivitäten seiner Mitglieder derart fordert und herausfordert wie das SWF-Sinfonieorchester, ganz besonders an wachen Musikern in seinen Reihen interessiert ist: Musikern, die eigene Initiative und Farbe in das philharmonische Miteinander einbringen können. Das (mit wenigen Ausnahmen) aus den Reihen der Südwestfunk-Musiker hervorgegangene Ensemble Parnassi Musici stellt allerdings nochmals einen Sonderfall dar, indem es – ein aparter Kontrapunkt zum sonstigen Repertoire-Schwerpunkt des Orchesters – auf historischen Instrumenten spielt.
Die Matinee der Parnassi Musici im runden Saal des Konzerthauses bewies, dass den beteiligten Musikern ihr schwieriger Spagat zwischen modernem und altem Instrumentarium tatsächlich zwingend gelingt. Sowie die Streicher (Margaret MacDuffie, Matthias Fischer, Wolfgang Wahl, Stephan Schrader und France Beaudry-Wichmann) als auch Gunhild Ott an der Traversfläte und Gerald Hambitzer am Cembalo präsentierten ein reines Bach-Programm mit Triosonaten, Canones aus dem „Musikalischen Opfer“ sowie dem fünften brandenburgischen Konzert derart, dass die im Vergleich zu modernen Instrumentarium bedeckteren, weicheren, wärmeren und geschmeidigeren Klangfarben stimmig zusammenwirkten und dass die stärkere Mittelstimmen-Betontheit der Interpretationen als verbindendes Positivum hörbar wurde.
Fein verfugten außerdem etwa die beiden Solo-Violinen in der d-Moll-Sonate BWV 527 die beweglich gehaltenen Tempi, und auf geradezu hinreißend klangsinnliche Weise kosteten Traversflöte und Violine in der Sonate BWV 1038 vornehmlich langsame Parallelführungen und dichte intervallische Reibungen aus. Lediglich im Eingangs-Allegro des 5. Brandenburgischen Konzertes wirkte die dynamische Balance zwischen der zumal im Bereich des Leisen eminent ausdrucksstarken Traversflöte und dem Streichapparat gelegentlich gefährdet. Dem überaus positiven Eindruck eines sehr lebendigen, wachen und gestenreich sprechenden Musizierens, den die Parnassi Musici insgesamt erweckten, tat das jedoch keinen Abbruch. Das Ensemble wäre weitere Matineen und Abende wert.
Susanne Benda

 

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